„Tote Sprache im WPK Bereich???“

„Endlich kann man nach seinen Interessen wählen, Naturwissenschaften, Journalismus, Darstellendes Spiel. Das sind spannende Angebote und alles etwas fürs richtige Leben.“ So denken sicher viele Schülerinnen und Schüler und auch Eltern, wenn es um die Wahlen für den Wahlpflicht-Bereich geht. Wie passt da nun ausgerechnet Latein hinein? „Eigentlich doch eine tote Sprache, die fast keiner mehr spricht.“
Trotzdem bieten wir an der RICARDA als eines von wenigen Gymnasien in Hannover seit einigen Jahren Latein ab Klasse 8 im Wahlpflicht-Bereich an. Nicht dass, die übrigen Angebote nicht attraktiv wären, aber Latein ist eben noch mal etwas ganz Anderes. Es ist eine alte Sprache, die aber die Sprache eines der ersten Weltreiche, das dazu noch mitten in Europa lag, war. Deshalb gibt es kaum eine europäische Sprache, die nicht vom Lateinischen beeinflusst wurde. Das merkt man besonders bei den romanischen Sprachen wie Italienisch, Französisch und vielen anderen. Aber auch Englisch beruht zur Hälfte seiner Vokabel auf dem Lateinischen. Also gibt es ein ganz starkes Fortleben dieser alten Sprache in vielen modernen Sprachen. Nicht zu vergessen natürlich auch die vielen Fremdworte mit lateinischen Wurzeln.
Andererseits ist Latein in der Schule keine so ganz richtige Sprache, denn es wird im Unterricht nicht gesprochen und wir übersetzen auch kaum vom Deutschen ins Lateinische. Dafür erfahren wir im Unterricht ganz viel über das Leben der alten Römer, ihre Kultur, ihre Religion, ihre Bauten und ihre Kämpfe. Wer wollte nicht schon immer mehr über Gladiatoren im Circus Maximus in Rom wissen.


Wir lernen aber auch Ordnung in die Sprache und dabei auch in unsere eigene Sprache zu bringen, egal welche Muttersprache es ist.
Gerade auch für den Deutschunterricht lernen wir vieles kennen, was wir gut weiter gebrauchen können. Dabei ist Latein sehr logisch und – wie gut – es gibt keine Probleme bei der Aussprache, denn es wird genauso gesprochen, wie es geschrieben wird.
Leider gibt es nicht so viel Anschauungsmaterial wie in anderen Fächern, aber deshalb fahren wir auch im zweiten Lateinjahr zu einer Exkursion nach Trier, um uns anzusehen, wie die Römer schon vor 2000 Jahren im Südwesten Deutschlands gelebt haben. Am Ende von Klasse 11 ist dann auch schon ein echter Abschluss geschafft, nämlich das kleine Latinum. Damit kann man dann schon praktisch alle Studiengänge bestreiten, die irgendeine Lateinverpflichtung haben.

Was braucht man, um Latein zu lernen? Vor allem eine gewisse Portion Fleiß, die am besten auf jeden Schultag verteilt ist, damit man nicht versucht, an einem Tag alles auf einmal zu lernen. Ein wenig detektivischer Spürsinn für Grammatik und Interesse für die vergangenen Leistungen der Römer und ihr Fortwirken können auch nicht schaden. Das alles zusammen machen dann schon fast eine römische discipula oder einen discipulus aus.
Wenn man in der 8.Klasse dann schon Englisch und Französisch oder Spanisch lernt, kann man zum idealen Europäer werden, denn nun lernt man neben lebendigen Sprachen auch noch die Mutter fast aller europäischen Sprachen kennen.
Wer dann auch noch wissen will, warum eine bekannte Creme in blauer Dose Nivea und ein oft auf den Straßen rollendes Auto Audi heißt, ist bei uns in Latein genau richtig.
Ein Jahr vor dem Abitur bieten wir oft auch eine Studienfahrt nach Rom an, auf der wir dann tief in römisches Leben eintauchen und sogar die Ruinen des vom Vesuv verschütteten Pompei ansehen können.